Instagram & Füße: Fussfetisch als „Growth-Hack“?

Seit Kurzem lässt sich ein spannender Trend auf Instagram beobachten: Influencerinnen posten Carousels, bei denen das erste Bild immer Fuß zeigt. Ein Bericht über den schrägsten Growth-Hack seit dem „Selfie für den Algo“.


Es gibt Trends, die kündigen sich leise an. Einer dieser Trends spielt sich gerade auf Instagram ab, und er betrifft ausgerechnet das, was Influencerinnen buchstäblich am Boden hält: ihre Füße.

Wir reden hier nicht von OnlyFans-Accounts, nicht von professionellen Fetischmodellen, nicht von bewusst sexualisiertem Content. Wir reden von klassischen

  • It-Girls,
  • Fashion-Bloggerinnen,
  • Travel-Queens,
  • Beauty-Queens,
  • Marken-Botschafterinnen,
  • Sängerinnen,
  • Schauspielerinnen.

Ihr Feed:

  • Elegant,
  • hell,
  • sauber.

Ihr Content:

  • Sonnenuntergänge,
  • Coffee Table Books,
  • weiße Orchideen,
  • Dior-Taschen,
  • Santorini-Pools.

Das Phänomen: Sichtbare Füße als Carousel-Startbild

Instagram ist ein Spiel mit Algorithmen. Jede Entscheidung zählt: Wann ihr postet, was ihr postet, wie der Post aufgebaut ist. Der erste Swipe entscheidet, ob jemand neugierig wird oder weiterzieht. Normalerweise denken wir an strahlende Gesichter, an ikonische Locations oder an das gerade angesagte Outfit als Reichweiten-Booster.

Aktuell zeigt sich: Besonders viel Aufmerksamkeit erhalten Bilderreihen-Beiträge, wenn das erste Bild Füße zeigt. Besser ausgedrückt: Wenn das erste Bild ein Ganzkörper-Bild ist, das die Füße einschließt. Das sorgt, so unsere spontane Unterstellung, für hohes Engagement von Männern mit Fußfetisch. Social-Media belohnt Engagement. Likes, Shares, Kommentare, gespeicherte Posts – all das signalisiert dem Algorithmus: Dieser Content ist interessant. Also zeigt Instagram ihn mehr Menschen. Also wächst die Reichweite.


Reichweitensteigerung mit Likes und Saves der Fußfetisch-Follower

Wenn ein Post sichtbar Füße zeigt, spricht er – bewusst oder unbewusst – jene an, die genau dafür ein Auge haben. Und diese Gruppe interagiert. Teils mit Herzchen, teils mit Flammen, teils mit dem inzwischen ikonischen „👣“-Emoji.

Und genau dadurch rutscht der Beitrag in der Relevanz-Leiter höher. Das Ergebnis: mehr Reichweite, mehr Sichtbarkeit, mehr Follower. Ein rein algorithmisches Plus – aber mit einer sexuellen Note, die die Creatorin vielleicht nicht ganz abzuschätzen in der Lage ist.


Vergleich: Andere bekannte Instagram-Growth-Hacks

Damit wir das einordnen können, ein Blick auf die Klassiker unter den „Growth Hacks“:

  • Gesichter zeigen – Posts mit klar sichtbaren Gesichtern performen oft besser, weil der Mensch sich mit Menschen verbindet.
  • Emotionen transportieren – Lachen, Weinen, Spannung – starke Emotionen ziehen Aufmerksamkeit und Interaktion an.
  • Storytelling in Carousels – Erst Spannung, dann Auflösung. Erst Problem, dann Lösung. Erst „What?!“, dann „Ah!“ – das hält Menschen länger auf dem Post.
  • Provokative erste Bilder – Ein visuelles „Huch!“, das die Neugier triggert.

Und jetzt eben: sichtbare Füße im ersten Bild. Nicht geplant als Hack, aber funktionierend wie einer.


Inkaufnahme von Sexualisierung: Wo Lifestyle unabsichtlich Fetisch wird

Hier liegt die stille Grauzone: Die Influencerinnen, um die es geht, produzieren keinen Fetisch-Content. Doch in dem Moment, in dem ein Post genug „leise Zeichen“ mitbringt, die von einem Mann mit Fußfetisch wahrgenommen werden, wechselt er den Kontext. Nicht auf der Plattform – dort bleibt er „sauber“ –, aber in der Wahrnehmung.

Plötzlich ist das elegante Urlaubsfoto mehr als ein Mood-Bild. Es ist, für manche, erotisches Material. Und diese andere Art der Aufmerksamkeit ändert leise und oft unbemerkt das Publikum.

Die Frage ist: Ist das schlimm?

Aus ethischer Sicht: Nein, solange alle Beteiligten respektvoll bleiben.
Aus persönlicher Sicht der Influencerin: Vielleicht doch. Denn mit dem Wachstum kommt eine Art unsichtbare, sexuelle Lesart des eigenen Contents. Und die kann sich im Kopf festsetzen, kann irritieren, kann das Gefühl der Selbstbestimmung über die eigene Außendarstellung infrage stellen.


Was Influencerinnen beachten sollten

Finden wir, als großer Fußfetisch-Erotikblog, nun Anstoß daran, dass Instagram anscheinend ganz entschieden Inhalte befeuert, die einen fetischistischen Aspekt haben? Nein, bestimmt nicht. Dennoch entsteht hier gerade eine absolut merkwürdige Gemengelage. Promidamen wie Gülcan Kamps haben sich schon (zurecht!) über aufdringliche Fußfetisch-Follower geärgert. Andere, wie Sonya Kraus, hofieren die Fetisch-Fangemeinde seit Jahrzehnten mit Freude.

Hier wird mit Sexualität gespielt, die von der Mehrheit der Menschen nicht wahrgenommen wird. Das ist unglaublich clever, aber kann – wenn die neu gewonnenen Fuß-Fans sich ausgenutzt und vor den Kopf gestoßen fühlen – auch eine schädliche Diskussion mit sich führen. Wir haben kein Problem damit, wenn Insta-Girls sich ein Publikum unter Zuhilfenahme ihrer Füße aufbauen. Hier haben wir sogar einen Beitrag mit Tipps dazu geschrieben.


Oder ist alles nur Zufall?

Wir hören euch sagen: „Halt mal, ihr Fetisch-Spinner! Die Fotos, die ihr meint, sind eben rein zufällig so entstanden. Die Influencerin hat eben ein Foto, auf dem sie in Gänze zu sehen ist, ausgewählt und als erstes Bild ihres Bilder-Carousels gepostet. Ihr lest hier eine Fetisch-Annäherung hinein, die gar nicht da ist!“

Die Möglichkeit besteht. Die Wahrscheinlichkeit hiervon ist jedoch gering. Viel wahrscheinlicher ist, dass sich der „Growth-Hack“ unter Social Media Profis und Managern eher als „first picture of the carousel has to be full body“ verbreitet hat. Unser wichtigstes Indiz, dass der Algorithmus hier allerdings gezielt diese Beiträge befeuert ist der kleine Hinweis namens „Für dich vorgeschlagen“.

Weitere Indizien:

  • Die Screenshots, die diesen Beitrag ausgarnieren, sind alle vom privaten Instagram-Account unseres Admins, mit dem er auch expliziten Fetisch-Akteurinnen folgt. Die Accounts, die hier dargestellt sind, haben aber keine sexuellen Absichten.
  • Die Accounts sind (mit wenigen Ausnahmen) kleinere Influencerinnen, die noch kein in die Hunderttausende gehendes Publikum haben und im Moment wachsen.
  • Die auf diese Art gestalteten Carousels sind mitunter die bestperformenden Beiträge der Accounts

Fazit: Reichweite mit Beigeschmack

Unterstellen wir jeder einzelnen der Frauen eine fetischistische Absicht? Nein. Vielmehr glauben wir, dass sie tatsächlich einem „Growth Hack“, also einem Trick zu schnellem Follower-Wachstum folgen und sich – in vielen Fällen – gar nicht bewusst sind, dass sie einen Fetisch-Appetit bedienen. Und so sitzen wir hier, staunen, lächeln, runzeln ein bisschen die Stirn und denken: Social Media hört nie auf, uns zu überraschen.

Und vielleicht, ganz vielleicht, ist das auch ein stilles Kompliment: Füße gefallen.
Ob ihr euch darüber freut, das strategisch nutzt oder lieber still Socken darüberzieht – das ist, wie immer, eure Entscheidung.


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