Test: Die FLR Dating-App „Chyrpe“, Teil 2: Mein erstes Match

Artikel Nummer zwei über meinen Selbstversuch mit der FLR-Dating App „Chyrpe“. Dieses Mal: Ich habe ein Match und es entsteht tatsächlich ein Gespräch.


Vor kurzem habe ich begonnen, die FLR-Dating App Chyrpe zu nutzen. Hier findet ihr meinen ersten Erfahrungsbericht, in dem ich vor allem auf die aktuell (Februar 2025) noch sehr unzufriedenstellende Dichte an Profilen und das sich etwas unglücklich anfühlende globale Matchmaking eingehe.

Meine Nutzungserfahrung mit Chyrpe: Likes und kostenpflichtige Features

Bevor ich auf mein erstes Match zu sprechen komme, will ich meine inzwischen vertieften Nutzungserfahrungen mit der App festhalten. Bitte beachtet in jeder Hinsicht: Die App plant, das regionale Matchmaking noch zu ermöglichen – gibt aber nicht an, was sie unter „regional“ versteht. Alle Features, die ich beschreibe, erlebe und nutze ich so im Februar 2025.

Du hast fünf Likes auf Chyrpe – und Dislikes zählen mit hinein

Auf Chyrpe kann man als männlicher User ohne Bezahltarif nur fünf Likes verteilen, bis eine Abklingzeit von zwölf (glaube ich zumindest, denn es wird nirgends exakt angeschrieben) Stunden eintritt. Erst nach deren Ablauf kann man wieder die potenziellen Partnerinnen „liken“. Darüber hatte ich bereits in Beitrag 1 berichtet.

Nun muss ich meine damals milde ausfallende Bewertung dieses Umstands ein wenig ändern und schärfer in der Kritik werden: Besonders merkwürdig ist nämlich: Die Zahl Fünf schließt meine „Dislikes“ mit ein. Wenn ich ein Profil nicht ansprechend finde und auf „X“, statt auf das kleine Herzchen tippe, zählt dies ebenfalls in mein Maximum von fünf Likes hinein. Das irritiert mich und dafür habe ich kein Verständnis.

Mehr zu Chyrpe:

Es gibt (wie fast überall) Boosts und kostenpflichtige, bessere Likes

Wie auf den meisten Dating-Apps gibt es eine Funktion, mit der ich auf irgendeine Art mein Profil „boosten“ kann. Heißt: Ich steige in einem für mich als User undurchsichtigen Ranking der männlichen Profile auf und werde den Frauen häufiger angezeigt. Ich benutze in meinem ersten Versuch hier keine kostenpflichtigen Features, da ich die „normalo-Version“ testen möchte.

Selbiges gilt für die Funktion „Rose“. Auf Tinder heißen diese besonders gut sichtbaren Likes „Super Likes“. Hier auf Chyrpe kann ich Rosen verteilen, um besonders aufzufallen. Die Rosen kosten ebenfalls reales Geld.

Mein erstes Chyrpe-Match: Sympathisch, aber irgendwo in Asien

Es dauert nur wenige Tage und ich habe ein erstes Match. Ich werde ihren Namen selbstverständlich nicht veröffentlichen und nur verfremdete Bilder posten, doch die Frau hinter dem Profil wirkt real.

Mir stößt ein wenig auf, dass sie angibt, „kinda into findom“ zu sein, wie der Screenshot zeigt. Das lässt ein paar Alarmglocken laut läuten. Kurze Erklärung: Findom bedeutet „finanzielle Dominanz“, also Dominanz durch das abnehmen von Geld auszuleben. Das kann natürlich seriös und mit dem Konsens beider Beteiligter erfolgen, aber hat (vor allem aufgrund der einfachen Bezahlmethoden im Internet) einen unguten Beigeschmack.

Sie hat natürlich wirkende Antwortzeiten und ein humorvolles Profil. Sie hat mich – wir schreiben nun seit mehreren Tagen mit kleineren Unterbrechungen – noch nicht auf irgendwelche externen Seiten gelotst und will auch keine Dienstleistungen verkaufen. Kurzum: Sie ist echt.

Nur leider befindet sie sich irgendwo am anderen Ende der Welt. Danke, globales Matchmaking.

Hier zeigt sich allerdings ein tolles Feature von Chyrpe: Ich kann jedem Like von mir eine Nachricht schreiben. Das wiegt die nur fünf Likes zwar nur bedingt wieder auf, trotzdem habe ich zumindest das Gefühl, mit der wenigen Anzahl von Likes eine etwas bessere Chance bei den Frauen zu haben, wenn ich zumindest ein wenig charmanten Text anfügen kann, statt nur mit meinem eigenen Profil für mich einzustehen. Wer nicht gerade der große Redekünstler ist, den wird dieses Feature vielleicht weniger begeistern.

Wir beginnen ein Gespräch über kinky Themen. Ich mache einen frechen Spruch darüber, dass sie am anderen Ende der Welt wohnt, ich aber gerne zu ihr hinüber krieche, wenn sie dafür nur verspräche, mich als ihr „Pet“ zu behalten. Sie lacht über meinen offensichtlich bescheuerten Kinky-Flirtspruch und seitdem chatten wir fröhlich hin und her.

Wir beide wissen, dass wir uns wahrscheinlich niemals begegnen werden. Ich habe jedoch vor, das Match so weit auszureizen wir nur möglich. Vielleicht gelingt uns ein freundlicher Videocall? Das wäre, betrachtet man die offensichtliche Distanz, zumindest äquivalent mit einem „Date“ im echten Leben – finde ich zumindest.

Fazit des zweiten Beitrags über die FLR-Dating App Chyrpe

Ich finde, Chyrpe hat die richtigen Ideen, doch lässt vereinzelt üble Vorahnungen zu. Leider haben die Entwicklerinnen und Entwickler schon jetzt eine gewisse Tendenz zu eher restriktiven Entscheidungen – siehe die fünf Likes und Dislikes. Allerdings rechne ich allen Beteiligten den Versuch, so etwas ins Leben zu rufen, hoch an. Ich sträube mich außerdem dagegen, einer noch eher jungen App eine schlechte Bewertung für Umstände zu geben, denen eben nur junge Apps ausgesetzt sind.

Beispiel: Was wäre denn das Gegenteil des nervenden globalen Matchmakings? Genau: Eine sofortige Öffnung des regionalen Machtmakings, was mich auf die exakt fünf (geschätzt) aktiven Profile in meiner Umgebung stoßen ließe und den Spaß schnell wieder beenden würde. Deshalb ist mein Fazit aus Artikel zwei am besten als Liste dargestellt.

Gut an Chyrpe finde ich:

  • Dass die App überhaupt existiert
  • Bis jetzt keine Fake-Profile aufgefallen
  • Die Profile sind gut befüllt, die Userinnen wirken begeistert und engagiert
  • Weltweite Matches sind möglich
  • Es begegnen mir immer wieder Hinweise über Respekt und Sicherheit – auch ein Wort-Filter im Chat warnt mich, wenn ich zu kinky losschreibe und zu eindeutige Worte verwende

Schlecht an Chyrpe finde ich:

  • Die Grenze von fünf Likes/Dislikes, bis eine stundenlange Zwangspause einsetzt
  • Unklarheit über den Status der Eröffnung lokalen Matchmakings – fehlen in „meiner Region“ noch zehn Leute oder 10.000? Werde ich hier noch Wochen oder gar Jahre auf Profile aus meiner Region warten? Und was genau ist „meine Region“ nach Definition der Entwickler? Mein Bundesland, meine Stadt, ganz Deutschland?
  • Man stößt schnell an die Bezahlgrenze, auch bei anderen Themen als Likes/Dislikes – so ist beispielsweise die Filterung nach Profilen nur sehr grobschlächtig vorhanden, es sei denn ich kaufe Premium


Mehr aus unserem Blog: