Unterscheidung: Ist eine Female Led Relationship (FLR) auch eine 24/7 BDSM-Beziehung?

Uns begegnen immer wieder Leser und Follower auf der Suche nach einer sogenannten „Female Led Relationship“ (FLR). Ihre Profile sind voller BDSM-orientierter Inhalte und sehnsüchtigen Gesuchen nach einer „Herrin“. Das ist per se kein Widerspruch – aber kann ein Zeichen dafür sein, dass das Konzept einer FLR falsch verstanden wurde.


#1: Das ist eine FLR

Unter einer Female Led Relationship wird in heterosexuellen Beziehungen genau das verstanden, was sich hinter dem Wort verbirgt: Eine weiblich geführte Beziehung. Wie sehr die Führung durch die Partnerin ausgeprägt ist, kann sich dabei unterscheiden. Schließlich lässt sich (auch mit einem Augenzwinkern) ein kleines bisschen weibliche Führung in jeder Beziehung feststellen.

FLR: Ein bewusstes Beziehungskonstrukt

Eine FLR entspricht im Grunde tatsächlich dem umgekehrten klassischen Rollenbild. Streng weiblich geführte Beziehungen werden (allein, weil beiden Partnern die Stärke der Rollenverteilung irgendwann klar wird) bewusst geführt.

FLRs können natürlich zufällige Konstrukte, die natürlich in der Dynamik einer Liebesbeziehung entstehen, sein. Meistens wird allerdings ab einem gewissen Punkt der „Kontrollübernahme“ durch die Partnerin ein gemeinsames Gespräch geführt, von dessen Ausgang die Zukunft der bis dato „normalen“ Beziehung abhängt, geführt. Ergo: Echte FLRs werden bewusst geführt, selbst bei Paaren, die in sie hinein rutschen.

Die führenden Frauen wissen, wie sie den Partner führen, belohnen und bestrafen können. Der Mann ist unterwürfig. Es handelt sich bei der FLR allerdings nicht um ein „immer anhaltendes“ SM-Rollenspiel. Eine FLR ist nach wie vor eine Liebesbeziehung – nur dass beide Partner die gemeinsame Entscheidung getroffen haben, der Frau die Führungsrolle zu geben.

  • Sie ist nicht traditionell männlich geführt,
  • sie ist nicht modern gleichberechtigt geführt,
  • sie ist weiblich geführt.

Die 5 deutlichen Anzeichen einer FLR

Hier scheiden sich zwar die Geister, doch für uns bei Lala Idrisse ist die „Führung“ in einer Beziehung dann übernommen, wenn diese 5 Bereiche voll in der Hand der Frau sind:

  • Lebensplanung
  • Finanzen
  • Haushalt
  • Freizeitgestaltung
  • Gemeinsames Sexualleben

#2: Das ist eine 24/7 BDSM-Beziehung

In einer 24/7 BDSM-Beziehung zu leben bedeutet, sich dauerhaft und auch außerhalb des sexuellen Raumes einer/m Partner/in zu unterwerfen.

Der dominante Teil trifft die Entscheidungen für beide Partner oder gibt, nach gemeinsamer Absprache, den Entscheidungsspielraum des/der devoten Partner/in vor. Die Lebensgestaltung wird um die Beziehung herum geschaffen, in der es keine Pause vom Machtgefälle gibt. Das bedeutet allerdings nicht, dass hier ständig Befehle gegeben und Dienste erwiesen werden, sondern hat vielmehr mit einer Art „ständiger Bereitschaft, in die Rollen zu fallen“ zu tun.

Das sind Anzeichen für eine 24/7 BDSM-Beziehung

  • Oft werden besondere Kleidungsstücke oder Spielzeuge mit erotischer Bedeutung aufgeladen, wie eine Halskette (welche von der/dem Sub ständig getragen werden muss)
  • Es gilt ein gemeinsam evaluierter, fest abgesprochener Rahmen der Fremdbestimmung
  • Zumeist werden Bereiche wie die Arbeit respektiert und als Ausnahmen betrachtet

Die Unterschiede zwischen FLR und 24/7 BDSM-Beziehung

Die Beziehungsmodelle haben ohne Zweifel ein paar augenscheinliche Gemeinsamkeiten:

  • Es gibt ein Machtgefälle,
  • es finden Absprachen statt,
  • sie sind alles andere als „normal“ – wenn man denn die männergeführte Ehe aus dem 20 Jahrhundert als die Norm betrachtet.

Damit erschöpfen sich die wichtigsten Gemeinsamkeiten allerdings wieder. Denn eine FLR und eine 24/7 BDSM-Beziehung sind zwei vollkommen verschiedene Dinge. Wir heben die wichtigsten Unterschiede hervor.

Unterschied #1: Eine Frau führt die FLR

In der FLR gibt, wie es der Name schon diktiert, eine Frau den Ton in der Beziehung an. In einer 24/7 BDSM-Beziehung ist diese klare Rollenverteilung per Geschlecht nicht vorgegeben.

Unterschied #2: Eine FLR muss nicht mit BDSM einhergehen

Es ist möglich, eine FLR zu leben, ohne jemals eine Peitsche in die Hand zu nehmen oder einem „auf die Knie!“ zu gehorchen. Es steht zu vermuten, dass viele FLRs einen Hauch von BDSM in sich tragen, aber die FLR als Beziehungsmodell gehört nicht zur und stammt nicht aus der „kinky Ecke“.

Unterschied #3: Eine FLR wird nicht von einer „Domina“ geführt

Dieser Unterschied ähnelt zwar dem Unterschied #1, dreht sich aber explizit um das Verhalten der Frau in einer FLR. Die Frau in der FLR führt die Beziehung nämlich zum Wohle beider Partner, nicht nur zu ihrem eigenen, wie es eine Domina in einer erotischen Story tut. Die FLR ist kein „Genussmittel“ für den weiblichen Part, sondern eine andere Art, Beziehungen zu denken.

Unser Fazit

Wer „suche eine FLR, liebe Herrin!“ schreibt und damit einen dauererotischen Zustand der phantasievollen Versklavung meint, der hat leider keines der beiden Beziehungskonzepte verstanden. Das klingt ein bisschen hart, ist aber vielleicht genau die richtige verbale kalte Dusche für so manchen Mann auf der Suche nach einer dominanten Partnerin.


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