Dominante Frauen in Filmen, Serien & Büchern

Gibt es dominante Frauen in Büchern, Filmen und Serien, die nicht lediglich auf ihr dominantes Verhalten reduziert – und somit sexualisiert – werden? Ein nachdenklicher Beitrag von Lala Idrisse.


Böse Schwiegermütter, bissige Vorgesetzte, verruchte Intrigantinnen am Königshof oder am besten gleich der männerfressende Vamp: In Sachen Publicity haben es dominante Frauen schwer in der Unterhaltungslandschaft – die Rollen und die in sie hinein geschriebenen Charaktere sind bestenfalls monothematisch. „Achtung, hier kommt eine selbstbewusste weibliche Figur, zu erkennen an der dunklen Kleidung und dem hochnäsigen Gesicht!“

Die Schauspielerin Emily Blunt weigert sich mittlerweile sogar, Manuskripte zu lesen, die mit einer Hauptrolle mit der Beschreibung „strong female lead“, also einer „starken weiblichen Hauptfigur“ aufwarten. Zitat Frau Blunt gegenüber dem britischen Telegraph: „Those roles are written as incredibly stoic, you spend the whole time acting tough and saying tough things.“ Die Rollen seien stoisch und sie rolle nur mit den Augen, wenn sie ein Skript mit so einer Hauptfigur öffne.

Dominante weibliche Figuren – eine Erörterung

Ich bin Lala Idrisse. In diesem Beitrag möchte ich mich mit weiblichen Figuren beschäftigen. Mit Archetypen und Stereotypen, mit Beispielen für dominante Frauen aus Büchern, Filmen und Serien sowie mit der Frage, weshalb es vielen Autoren anscheinend schwer fällt, gute dominante Frauen zu schreiben.

Archetyp und Stereotyp: Die dominante Frau in der Kunst

Obwohl Stereotyp und Archetyp ähnlich klingen und beide mit wiederkehrenden Ideen oder Mustern verbunden sind, haben sie unterschiedliche Bedeutungen. Ich möchte beides kurz beleuchten, wenn es um die Darstellung dominanter Frauen in Unterhaltungsmedien geht.

Was ist der Stereotyp der dominanten Frau?

Ein Stereotyp ist eine vereinfachte Vorstellung oder ein festes Bild von einer Gruppe oder einer Person, die auf vorgefassten Annahmen, Vorurteilen oder unvollständigen Informationen basiert. Stereotypen können sich auf viele verschiedene Aspekte einer Person oder einer Gruppe beziehen, wie z.B. das Geschlecht, die Rasse, die Nationalität, den sozialen Status, die sexuelle Orientierung usw. Stereotypen sind oft negativ und können dazu führen, dass Menschen falsch beurteilt oder diskriminiert werden. Mit Stereotypen sollte stets vorsichtig umgegangen werden, denn vor allem wenn Menschen einer bestimmten Hautfarbe oder Religion Wesenszüge des Stereotyps unterstellt werden, wird das Gespräch schnell verletzend.

Für unser Thema bedeutet das: Der Stereotyp der dominanten Frau ist das Klischee, das in unserem Kopf, vor unserem geistigen Auge, entsteht. Ich lehne mich aus dem Fenster und sage: Der Stereotyp der dominanten Frau ist eine rechthaberische, schlanke Person in streng geschnittenen Klamotten, perfekt sitzendem Make-Up und einem stets leicht verruchten, durchschauenden Blick. Eine nicht in BDSM-Montur daherkommende Domina.

Wie sieht der Archetyp der dominanten Frau aus?

Ein Archetyp hingegen ist ein universelles Muster, Symbol oder eine Vorstellung, die in vielen verschiedenen Kulturen und Gesellschaften wiederkehrt und eine tiefe emotionale Bedeutung hat. Archetypen sind Teil des kollektiven Unbewussten, das von Carl Jung beschrieben wurde, und repräsentieren grundlegende menschliche Erfahrungen, Emotionen und Verhaltensweisen. Archetypen können in vielen verschiedenen Bereichen vorkommen, wie z.B. in Mythen, Religionen, Träumen, Märchen, Literatur, Film und Kunst. Einige häufige Archetypen sind der Held, der Schatten, die weise Frau, die Mutter, der Vater, das Kind und das Selbst.

Der Archetyp der dominanten Frau ist – und das ist Teil des Problems, vor dem viele Autoren stehen – kein positiver. Die dominante Frau entspricht jenem der Herrscherin, der Rebellin und teilweise auch der ruhelosen Entdeckerin. Selbstverständlich schließen Archetypen stets auch positive Aspekte ein, dennoch ist Herrschaft, die Rebellion gegen die Herrschaft anderer und die zu Wanderungen verleitende Lust an Entdeckungen zumindest als Sammlung „schwieriger“ Archetypen zu betrachten.

Verwendung von Archetypen und Stereotypen

In der Populärkultur werden oft Stereotypen verwendet, um Charaktere zu definieren, während Archetypen verwendet werden, um tiefe emotionale Themen und Erfahrungen zu erforschen. Stereotypen sind oft flach und oberflächlich, während Archetypen tiefgründig und komplex sind. Stereotypen können dazu beitragen, Vorurteile zu verstärken, während Archetypen dazu beitragen können, universelle menschliche Erfahrungen zu erforschen und zu teilen.

Berühmte starke Frauenfiguren und ihre Stereo- & Archetypen

Hier habe ich ein paar berühmte dominante Frauen aus Filmen, Büchern und Serien aufgezählt und den Stereotyp sowie den Archetyp dazu geschrieben.

Miranda Priestly – Der Teufel trägt Prada

Miranda Priestly ist eine erfolgreiche und einflussreiche Chefredakteurin einer Modezeitschrift. Sie ist hart, unnachgiebig und hat hohe Erwartungen an ihre Mitarbeiterinnen. Trotz ihres anspruchsvollen Verhaltens und ihrer hohen Erwartungen wird sie von vielen Bewunderern als Symbol für Stärke und Unabhängigkeit gesehen.

  • Stereotyp: Die arrogante Chefin im Büro
  • Archetyp: Die Herrscherin

Lisbeth Salander – Verblendung

Lisbeth Salander ist eine Hackerin und Ermittlerin, die in einer berühmten Krimi-Trilogie von Stieg Larsson auftritt. Sie hat eine turbulente Vergangenheit und kämpft gegen Gewalt und Ungerechtigkeit. Sie ist unabhängig und hat eine sehr selbstbewusste Persönlichkeit, was sie zu einer dominanten Figur macht.

  • Stereotyp: „Harte Schale, weicher Kern“
  • Archetyp: Die Entdeckerin

Cersei Lannister – Game of Thrones

Cersei Lannister ist eine fiktive Figur in der Fernsehserie Game of Thrones. Sie ist eine starke und dominante Königin, die nicht zögert, ihre Macht auszunutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Sie wird oft als eine der am meisten verehrten Figuren der Serie angesehen, trotz (oder vielleicht wegen) ihrer manipulativen und grausamen Handlungen.

  • Stereotyp: Die intrigante Thronräuberin und heimlich „verkommene“ Monarchin
  • Archetyp: Die Herrscherin

Maleficent – Die dunkle Fee

Maleficent ist eine fiktive Figur aus dem Film Maleficent – Die dunkle Fee. Sie ist eine mächtige Fee mit übernatürlichen Kräften und hat eine sehr selbstbewusste Persönlichkeit. Sie wird oft als Beispiel für eine unabhängige und dominante Frau angesehen, die ihre eigenen Entscheidungen trifft und sich nicht von anderen beeinflussen lässt.

  • Stereotyp: Der attraktive, boshafte Vamp
  • Archetyp: Die Herrscherin

Ellen Ripley – Die Alien-Reihe

Ellen Louise Ripley ist eine Offizierin an Bord der Nostromo, einem Raumschiff, das vom Planeten Thedus zu Erde zurückkehrt. Als die Nostromo ein Notsignal von einem unbekannten Planeten auffängt und die Crew den Fall untersucht, dringt das gefährliche Alien in das Schiff ein. Die Mannschaft fällt dem Ungeheuer nach und nach zu Opfer und am Ende überlebt nur die tapfer kämpfende „Ripley“. Die Rolle wird heute als wegweisend betrachtet, wenn es um die Darstellung von mutigen Frauen in Horror und Science-Fiction geht.

  • Stereotyp: „Mannweib“ im schmutzigen Overall mit Flammenwerfer
  • Archetyp: Die Rebellin

Weshalb es so wenig gut geschriebene dominante Frauen gibt

Es gibt mehrere Gründe, warum es vielen Regisseuren und Autoren schwerfällt, glaubwürdige starke weibliche Charaktere zu schreiben, ohne sie mit sexuellen Bezügen zu versehen – glaube ich. Hier sind einige mögliche Gründe.

Stereotype und Vorurteile

Ein häufiger Grund ist die weitverbreitete Verwendung von Stereotypen und Vorurteilen, die es schwierig machen, weibliche Charaktere unabhängig von männlichen Charakteren zu betrachten. Frauen werden oft als passiv, emotional und abhängig dargestellt, während Männer als aktiv, rational und unabhängig dargestellt werden. Dies führt dazu, dass weibliche Charaktere oft auf ihre sexuelle Anziehungskraft reduziert werden.

Mangelnde Vielfalt und Repräsentation

Eine weitere Ursache ist der Mangel an Vielfalt und Repräsentation von Frauen in der Unterhaltungsindustrie. Frauen sind unterrepräsentiert in Führungspositionen in der Film- und Fernsehindustrie, was dazu führen kann, dass weibliche Charaktere von Männern geschrieben werden, die sich nicht in die Perspektive von (dominanten) Frauen hineinversetzen können.

Zielgruppenorientierung

Ein weiterer Grund könnte die Ausrichtung auf die Zielgruppe sein. Produzenten und Autoren gehen davon aus, dass ihr Publikum hauptsächlich männlich ist und weibliche Charaktere daher auf ihre sexuelle Anziehungskraft reduziert werden müssen, um das Interesse des Publikums zu wecken. Bei bestimmten Actionfilmen mag diese Rechnung aufgehen – sie untergräbt jedoch (siehe Beispiel Ellen Ripley) viele großartige Chancen für weibliche Charaktere.

Mangelnde Kompetenz

Schließlich kann es sein, dass manche Autoren einfach nicht in der Lage sind, glaubwürdige starke weibliche Charaktere zu schreiben, ohne sie sexualisieren zu müssen. Das Schreiben von glaubwürdigen Charakteren erfordert viel Recherche, Erfahrung und Empathie. Es kann sein, dass einige Autoren einfach nicht über die erforderlichen Fähigkeiten oder das Verständnis verfügen, um glaubwürdige weibliche Charaktere zu schreiben.


Mein Fazit

Gute starke und dominante Frauenfiguren zu schreiben, ohne dem Stereotyp oder gleich einer bestimmten Männerfantasie anheim zu fallen, ist zweifelsfrei schwierig. Bei einigen Figuren wäre den Regisseuren und Autoren jedoch schon geholfen, wenn sie weniger mit dem Geschlechtsorgan und mehr mit den Händen an ihren weiblichen Rollen schreiben würden.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!


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