Test: Die FLR Dating-App „Chyrpe“, Teil 3: Das Fazit

Ich bin nun seit über einem ganzen Monat stolzer „Chyrpe“-Nutzer. Heute lest ihr mein Fazit.


Femdom-Dating App Chyrpe im Test: Was bisher geschah

Ich habe bereits zwei Artikel über meine Erfahrungen bei der FLR-Dating App Chyrpe geschrieben. In meinem ersten Bericht ging es um das Ziel der App, die Einrichtung und die weltweite „Warteliste“ auf das regionale Matchmaking.

In meinem zweiten Artikel beschrieb ich, wie ich an mein erstes Match mit einer sympathischen, dominanten Lady am anderen Ende der Welt gelangte. Außerdem habe ich hier deutliche Kritik an der Zahl der Likes geübt, die man vergeben kann.

Ende Februar 2025: Es gibt jetzt mehr als fünf Likes auf Chyrpe

Das Wichtigste zuerst: Ungefähr eine Woche nach meinem zweiten Beitrag wurde eines von seitdem zwei Updates durch Chyrpe ausgerollt. Nach diesem konnte ich bedeutend mehr als nur fünf Profile Liken oder Disliken. Die Anzahl scheint auf eine fast Tinder-ähnliche Zahl gestiegen zu sein.

Das tat meiner Nutzung der App gut: Ich setzte mich mehrere Tage lang fokussiert hin und habe potenzielle Partnerinnen geswiped. Diese Änderung erlaubte mir eine bedeutend kritischere Beurteilung der weiblichen Profile: Wer nicht aus dem deutschsprachigen Raum kam, wurde ausgesiebt. Ich will ein „echtes“ Match!

Dadurch sind noch zwei weitere Matches entstanden. Bei einem ebbte die Unterhaltung jedoch schnell wieder ab – ich nehme an, ich war einfach nicht der gefragteste Kandidat. Beim anderen wurde das Match durch die Dame wieder aufgelöst, nachdem sie sich äußerst genau über meine Vorlieben erkundigt hatte. Ich nehme an, sie hatte einfach andere Vorstellungen.

Mit dem größten Kritikpunkt aus dem Weg geschafft…

…habe ich das Gefühl, allmählich ein wirklich finales Fazit ziehen zu können. Ich werde mein Urteil in mehrere Kriterien, die ich einzeln bewerte, aufteilen.

  • Kriterium #1: Benutzerfreundlichkeit
  • Kriterium #2: Sicherheit und Wohlbefinden
  • Kriterium #3: Die anderen User
  • Kriterium #4: Nutzererfahrung ohne Premium-Funktionen

Meine Gesamtbewertung wird nicht in Form von Zahlen oder „X von Y möglichen Sternen“ daherkommen, sondern in Textform. Das erlaubt mir tatsächliche Fairness, denn ich will der App alle ihre Stärken und die Kreativität dahinter wirklich zu gute halten, ohne die offensichtlich scharfen Schwerter der berechtigten Kritik einfach wegzustecken, weil mir das Projekt prinzipiell so gefällt.

Kriterium #1: Benutzerfreundlichkeit

Die App verhält sich wie die Mehrheit der Dating-Apps: Es gibt einen Bereich, in dem mir die Profile angezeigt werden, einen für mein Profil, einen für Bezahlfunktionen und einen für die entstandenen Matches und Chats daraus. Ich drücke auf das Herzchen, wenn ich jemanden sympathisch finde oder das kleine X, wenn ich das Profil nicht liken möchte.

Schön finde ich, dass der Bereich mit den persönlichenNachrichten mittels zweier klappbarer Schubladen meine Chats sortiert: Es gibt die, in denen ich „an der Reihe“ bin, zurückzuschreiben und Chats, in denen meine Gesprächspartnerin dran ist, zurückzuschreiben.

Insgesamt: Die App erfindet das Rad der Dating-Funktionen nicht neu, macht das was man bereits kennt allerdings sehr richtig. Gefällt mir sehr gut.

Kriterium #2: Sicherheit und Wohlbefinden

  • Ich melde mich an – und erhalte einen Hinweis, dass die App großen Wert auf Respekt, Höflichkeit und gutes Benehmen legt.
  • Ich like ein Profil und will eine Nachricht zu meinem Like verfassen – und erhalte (einmalig) einen Hinweis, dass ich bitte keine anzüglichen Worte verwende, sondern darauf achte, das Erlebnis auf der App für alle Beteiligten erfreulich und positiv zu halten.
  • Ich habe ein Match, will der Frau schreiben – und erhalte erneut einen Hinweis zur korrekten, respektvollen Umgangsart unter kinky Personen.

Ihr merkt: Die App nimmt das geistige Wohlbefinden aller Beteiligten sehr ernst. Ich weiß leider nicht, ob Frauen ähnliche Hinweise erhalten, vermute es aber. Einmal wurde mir das Versenden einer Nachricht untersagt, weil ich (in gegenseitigem Einverständnis) eine kinky Praktik erwähnt habe. Mir gefällt das ungemein – hier wird wirklich darauf geachtet, die Herde der notgeilen Männer klein zu halten. Leider muss es wohl über Hürden geschehen, doch genau so lockt man die richtigen Männer, die sich entsprechend Mühe bei der Kontaktaufnahme mit Frauen geben, auf die App und sorgt für die gute Art von Frust bei allen, die es besser woanders probieren sollten.

Sicherheit und Wohlbefinden beim Messaging einmal ausgeklammert, möchte ich folgende Punkte hervorheben:

  • Man kann sich mit jedem beliebigen Namen anmelden
  • Prinzipiell kann so gut wie jede Grundeinstellung, bspw. Wohnort und persönliche Einstellung (dominant, devot, switch) ein- oder ausgeblendet werden

Die App hebt hervor, dass sie „Findom Profile“ erlaubt – also können Personen mit rein finanziellem Interesse sich per se unter die gewöhnliche Mitgliedergemeinde mischen. Auch dieses wird, sofern die Nutzerin dies auch nutzt, klar eingeblendet.

Insgesamt: Die App macht hier sehr viel richtig und nimmt das Wohlbefinden der User äußerst ernst. Sie kann sich allerdings nicht gänzlich vor der Gefahr verschließen, dass die schlechte Art von Findoms auch hier auf die Suche nach ahnungslosen Opfern gehen.

Kriterium #3: Die anderen User

Diese Bewertung ist einfach:

  • Mir sind keine Fake-Profile begegnet,
  • ich hatte ein schönes Match, das ich sogar auf einen normalen Messenger hinüber mitnehmen konnte und mit dem ich noch in Kontakt bin (in dem Wissen, dass wir uns wohl eher nicht begegnen werden).
  • Zwei andere Matches waren leider keine Erfolge – aber hey: Wer als Mann auf Datingplattformen unterwegs ist, der weiß wie gut drei Matches in verhältnismäßig kurzer Reihenfolge sind.

Die Gespräche mit den drei Frauen, die ich kennengelernt habe, waren angenehm. Selbst das Gespräch, das am kürzesten währte, war höflich und interessiert, wenn auch ein wenig knapp. Die Menschen auf dieser App kommunizieren in ganzen Sätzen, was ich (das ist nicht gerade eine schöne Sache, gesellschaftlich betrachtet) bemerkenswert finde.

Insgesamt: Ohne die weibliche Perspektive einnehmen und die Männerprofile bewerten zu können, kann ich hier nur eine äußerst positive Bewertung abgeben. Wie in jedem Forum/App/Board, in dem sich kinky Personen finden, geht es gesittet zu.

Kriterium #4: Nutzererfahrung ohne Premium-Funktionen

Hätte ich die Bewertung für dieses Kriterium vor zwei Wochen geschrieben, wäre sie vernichtend ausgefallen. Da ich mittlerweile mehr als fünf Likes vergeben kann, fällt es ein wenig milder aus. Das hier fließt in meine Bewertung ein: Ohne Geld zu bezahlen kann ich…

  • nur bestimmte, grundlegende Filterfunktionen nutzen und habe wenig Einfluss auf die Profile, die ich sehe
  • mittlerweile mehr als fünf Likes vergeben
  • nur bedingt in der „Beliebtheit“ der Profile aufsteigen (ich weiß nicht, wie oft ich den Frauen angezeigt werde – weiß ich bei Tinder aber auch nicht)
  • keine „Rosen“ vergeben, die wie besonders gut sichtbare Likes funktionieren sollen

Insgesamt: Nach wie vor finde ich die App sehr restriktiv, besonders wegen der Filtereinstellungen, die mir nur wenige Einschränkungen erlauben, die über das Alter der Frauen hinaus gehen.

Abschließendes Fazit über meine Erfahrung mit der FLR-Dating App Chyrpe

Ich mag Chyrpe. Die App tut das, was eine Dating-App soll und verbindet Menschen, die eine FLR, also eine Female-Led-Relationship suchen miteinander. Dazu gehört ein gewisses Potenzial für Kinkyness sowie eine gewisse Reibung: Ich bin bestimmt nicht der Traummann jeder dominanten Frau – und nicht jede dominante Frau ist meine Traumfrau, nur weil sie dominant ist.

Großes Manko ist nach wie vor das globale Matchmaking (Stand 05.03.2025). Ein Match mit einer dominanten Frau am anderen Ende der Welt ist zehn Minuten lang knisternd und spannend, danach macht es mich ein wenig traurig – und ich unterstelle, dass gerade die Unmöglichkeit eines spontanen Treffens ein wenig am gegenseitigen Interesse nachgeholfen hat.

Daher: Meldet euch bei Chyrpe an, gebt den Erschaffern Feedback und macht aus der App, was sie sein sollte. Je mehr gute Kinkster dort sind, desto weniger Grund besteht, die schlechten extra über hohe Nutzungs-Hürden abzuwehren. Gebt der Sache eine Chance – genau wie ein echter Partner ist sie nicht perfekt, aber verspricht eine tolle Zeit, wenn man bereit ist, sich für die Möglichkeiten zu öffnen.



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